Mobil und Satt in Japan – Teil 2

Soo, nun geht es mal weiter im Text!
Sorry, dass das immer mal ein wenig dauert.

7. Hayabusa, die II.

Am nächsten Tag waren wir bekanntlich unterwegs, um den Rucksack vom Dee wieder zurückzuholen.
Von der Japanerin, die wir da getroffen haben, lernten wir zu erst, dass es genauso Bahnen gab, an jedem „Kuhkaff“ halten (Local), und welche die vorbeifahren (Rapid), ähnlich wie RegionalExpress und -bahn hierzulande. Wir währen da an Toyoda vorbeigerauscht. Mussten unterwegs umsteigen. Wir hätten echt vorher mal „Densha de Go!“ spielen sollen 😀
Wenn man schonmal in der Nähe ist, „Where is the JAXA Open House?“ – „The Hayabusa space probe?“ – „Yes!“ 😀
Im Bahnhof von Toyoda gab es dann eine längere Unterhaltung zwischen der Frau im Office von JR und unserer hilfbereiten Japanerin. Da wurde auch rumtelefoniert, welcher Bahnhof dann nun der richtige sei.
Nach unserem doch eher westlichen „Mittagessen“ ging es dann Richtung Fuchinobe Station.

Auf dem Zettel stand ja „by foot Ni Juppun“ (Zu Fuß 20 Minuten), und das war in sängender Hitze alles andere als angenehm. Dabei die Angst für Sonnenstich und -brand, ging es durch Straßen für Straßen. Mal links rum, mal rechts rum, mal gerade aus… trafen am Anfang nur auf eine Mauer, kein Eingang in Sicht.
Weiter nach rechts, und ne Straße hoch: Da hatte ich endlich ein aus den Hayabusa-Filmen bekanntes Bild vor Augen:

Da waren wir nun also. Bei der JAXA. Ein Ziel, zu dem ich vorallem hinwollte, aber eigentlich später 😀
JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) ist die Japanische Raumfahrtbehörde. Von ihr gingen zB die Sonden Akatsuki (Venussonde) mit dem Sonnensegel-Experiment Ikaros, und Nozomi (Marssonde) aus.


Sonnensegel-Experiment Ikaros

Bekannt wurde aber dann Hayabusa, eine am 9. Mai 2003 gestartete Raumsonde, die als Ziel den Asterioden 1998 SF36, auch Itokawa getauft, hatte.


Hayabusa Raumsonde


Asteriod ITOKAWA (1998 SF36)

Ich selbst habe, komischerweise, von dieser Sonde als allererstes vom Hatsune Miku Lied „Hayabusa“ gehört.
Nur, warum besingen die Japaner eine Raumsonde? Und warum gibt es davon 4 Kinofilme?? Selbst einen Manga gibts darüber?!??.. Da musste irgendwie mehr dran sein. Dann las ich die Geschichte darüber und war mehr als fasziniert.


„Asteroid Explorer Hayabusa-San“-Manga

Die Mission klang einfach: Fliege zum Itokawa, sammle Proben, und komme wieder.
Währen der Hinflug noch klappte, klappte die Landung auf dem Asterioden schon nicht richtig. Die Entfernungen stimmten nicht richtig, und Hayabusa prallte zu hart auf. Proben konnten aber trotzdem gesammelt werden.
Der Rückflug war aber die ganze Dramatik an der Geschichte. Bei dieser fielen die Reaktionsschwungräder (jaja, MADE IN USA 😛 ) aus und der Treibstoffvorrat gefror. Es konnte nichtmehr alle Triebwerke gezündet wrden.
Die Sonde verfiel in einen „Abgesicherten Modus“ und die Kommunikation brach ab.
Eine bekannte Szene in allen Hayabusa-Spielfilmen: Das starren auf ein Oszilloskop, was die Signalstärke anzeigt, in der Hoffnung dass die Sonde wieder sendet.
Witzigerweise gab es eine ähnliche Szene auf das Warten des Empfangs der ESA-Sonde „Rosetta“ .. mir kam das dann ja sehr bekannt vor. 😀
Das Signal kam (wenn auch langsam) irgendwann wieder, und die Sonde konnte wieder gesteuert werden.
Die Triebwerke fielen immer wieder aus, und meherere Tricks der Ingeneure brachten die Sonde zur Erde zurück. Die Sonde konnte ihre Probenkapsel abtrennen. Die Sonde selbst verglühte in der Erdatmosphäre, während die Kapsel sicher in Australien landete.


Letztes Bild von Hayabusa: Die Erde (Quelle: JAXA)

Das war sie, die Geschichte von Hayabusa. Eine zweite Mission, genannt „Hayabusa 2“ ist im Dezember 2014 gestartet und ist unterwegs zu einem anderen Asteroiden, 1999 JU3, auch genannt „Ryugu“, wie er am 5 Okt 2015 getauft wurde. Dort sollen ebenfalls wieder Proben gesammelt werden, und es werden einige Experimente durchgeführt. Diese hat es sogar in die deutschen Medien geschafft, weil auch ein deutsches Experiment der DLR/ESA, der Lander MASCOT, an Bord ist.
(Z.B. hier bei Heise.de)
Wünschen wir also Hayabusa 2 einen guten Flug, und der JAXA eine erfolgreiche Mission!
Sehr ausführlich über die Mission schreibt übrigens Bernd Leitenberger auf seiner Seite.

8. Das japanische Fernsehen

Nach diesen beiden „Ausflügen“ waren wir ziemlich kaputt und kamen im Hotel an. Ein bisschen Fernsehen währ nicht schlecht.
Ein wenig komisch guckt man auf die Fernbedienung… „地上“?, „CS“??, „BS“??? Ok, ein paar Zahlentasten noch, und da tut sich dann auch was.
Es kamen Sender wie NHK G (ÖR-Allgemein), NHK E-Tere (ÖR-Bildungs-TV), TV Tokyo oder TBS auf den Schirm. Aber viel mehr schien da nicht zu kommen.
Wenn ich da nicht doch noch gewusst hätte, wo der Hase läuft. Eines meiner Hobbys ist ja auch die Fernsehtechnik.
地上 wortwörtlich übersetzt bedeutet „Über dem Boden“, hier würde man das wohl „DVB-T. Das Überallfernsehen.“ nennen, sprich: Antennenempfang.
BS ist „Broadcast Satellite“, kurz gesagt Satellitenempfang.
CS ist „ComSat“, eher bezeichnet als Pay-TV Empfang.
Warum ist da überall so ein Unterschied? … Naja, die Programminhalte unterscheiden sich massiv nach Empfangsart. Auch werden da zB andere Rundfunkgebühren fällig, wenn man zB auch Satellit empfängt.
Während sich das 地上-Programm überwiegend auf japanische Produktionen stürzt, gibt es auf BS mehr Internationale Filme und Sport zu sehen, so ja auch die Deutsche Bundesliga.
地上 hatte eben den Nachteil, dass es Lokal war. Wir konnten dann zB keine Anime von TOKYO MX in Kyoto mehr sehen, dafür gab es dort dann MBS, den Sender für die Kansai-Region.
Die BS-Programme waren da natürlich immer gleich, weil sie eben vom Sat kamen. In jedem Hotel die gleichen.
Tjah, und das Programm selbst … Abwechslung gab es da nun nicht. Im Grunde: Nachrichten, Gameshows, Doramas, Anime, und .. „Sonstiges“… nein, ich kann das einfach nicht einordnen!
Mit „Gameshows“ meine ich solche Sendungen, wie einst bei uns „Takeshis Castle“, diese sind dort zu Hauf im Programm. Takeshis Castle ist wohl die einzige, die es aus Japan hinausgeschafft hat.
Zu den Animes kann man sagen: So wie sich das so manch Anime-Fan vorstellt, ist es nicht. Klar, es gibt definitiv mehr davon, in verschiedenen Blöcken. Frühs, Nachmittags, Abends, und des Nachts. Aber 24h am Tag gibt es dort, wie hier auch, nur sowas wie Animax, im CS-Fernsehen… gegen Geld.

Seltsam kam uns auch das Konzept vor, bei Beiträgen andere Reaktionen von Studiogästen aufzufangen, wie im folgenden Bild zu sehen. So richtig erschließt sich der Sinn dahinter nicht:


地上-Programm: Keine Ahnung welches. Was da läuft: KEINE AHNUNG!! 😀

BS-Fernsehen war irgendwie etwas gemäßigter, erinnerte ein wenig an TV wie zu Hause. Nen paar int. Filme, ältere japanische Serien, (vorallem lange) Nachrichtenblöcke, Sport. Aber auch mal der ein oder andere Anime war zu sehen. NHK BS1 brachte schon erwähnt die Bundesliga, Premier League, und es war auch mal ab und zu etwas auf Deutsch zu sehen und zu hören. Manchmal übertrugen sie ZDF-Auslandsjournal. War irgendwie witzig, so 8000km entfernt von Deutschland.
Die 地上-Sender haben oft einen Ableger auf BS. TV Tokyo hatte zB BS Japan, TV Asahi mit BS-Asahi usw.
Nachts sendeten diese Sender übrigens dann nur noch Teleshopping. (Während die „Bodensender“ einfach abschalteten, mit Testbild)


BS-Programm: BS-Fuji, 9:20 Japanischer Zeit.


BS-Programm: NHK BS1, Premier League, 1:45 Japanischer Zeit.

CS-Fernsehen war Pay-TV, ähnlich wie hier in Deutschland Sky. Dort war es halt Sky PerfecTV.
Hatten wir ja nicht viel, jedoch gab es ab und zu mal Gratisphasen einiger Programme (wie im Bild Disney Channel) oder J-Sports, wo man dann japanischen Fußball gesehen hat. In Kyoto gab es dann auch mal die Japanische Version von CNN, Cartoon Network und FOX zu sehen. Da wir dafür nicht bezahlt hatten, waren diese Sachen oft nicht zu sehen.


CS-Programm: Disney Channel

Im ersten Hotel Hanzomon hatten wir dann noch so einen komischen PayTV-Receiver drannhängen, da war eine zweite Programmwippe auf der Fernbedienung. Dort waren dann für ein paar Minuten Hardcore-Pornos zu sehen, danach wurde auf Blau geschaltet. Ja, man konnte wohl an der Rezeption Karten zum Aufladen erstehen, die man in dieses Gerät steckt und „abtelefonieren“ konnte.
In Deutschland undenkbar sowas 😀

Dann gab es ja noch die Erdbebenwarnungen.
Ja, die sind im Jap. TV allgegenwärtig, und werden auf jedem Sender oben Mittig angezeigt. Mit Angabe der Stärke, des Umkreises und der betroffenen Gebiete.


Erdbebenwarnung auf NHK G, wo ich wieder in Deutschland war.

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