Japan Tag 16: Niemals vergessen

Hallo liebe Leser, es ist mal wieder Zeit für einen Blogeintrag :)

wie bereits im letzten Artikel angekündigt waren wir heute nicht in Osaka, sondern zu einem Tagesausflug zu einer der bekanntesten Städte in Japan: Hiroshima! Warum wir da waren? Das kann sich vermutlich jeder denken. Aber fangen wir mal an.

Der Tag begann recht früh, da wir heute unser Hotelzimmer wechseln mussten. Unsere Koffer waren bereits gepackt und wir mussten nur noch nach unten zur Rezeption gehen, um diese abzugeben. Daraufhin gingen wir uns zur Osaka Station und versuchten, Sitzplätze für den Shinkansen nach Hiroshima zu reservieren. Dort wurde uns gesagt, dass erneut sämtliche Züge ausgebucht seien und wir doch die nicht reservierten Sitzplätze nutzen sollten. Der Zug ging bereits in 20 Minuten los und angesichts der Warteschlangen am Gleis haben wir die Hoffnung schon aufgegeben, überhaupt noch einen Platz zu erhalten.

Als der Zug „Sakura“ (jap. für Kirschblüte) eintraf, stiegen die Leute vor uns ein. Als wir den Wagon betraten, hatten wir erneut viel Glück und ergatterten 2 Sitzplätze nebeneinander! Wozu dann eigentlich noch reservieren? ^^ Jedenfalls kam daraufhin die Süßigkeitenfrau vorbei, um uns mit Speisen und Getränke zu versorgen. Wir entschieden uns für was richtig gutes: belgische Waffeln ^^ Diese waren erneut aus dem Laden „Manneken“, offensichtlich eine japanische Kette, die belgische Waffeln anbietet :)

Nach nur 1:40 Stunden kamen wir bereits 240 km entfernt in Hiroshima an. Dort schauten wir uns zunächst um, wie wir uns fortbewegen konnten. JR Linien waren hier fast gar nicht vertreten, dafür aber eine Straßenbahn! Und genauso wie ein Busticket für einen Tag gab es dieses auch für Straßenbahnen. Wir suchten einen Weg zu einem Ticketschalter und wurden dank der guten Ausschilderung auch recht schnell fündig. Kostenpunkt: 600 Yen. Damit konnten wir uns dann den ganzen Tag durch die Stadt bewegen :)

Danach fuhren wir mit der Stadtlinie 2 zur Haltestelle „Genbaku Dome-mae“, von wo aus wir direkt unser erstes Ziel besichtigen konnten – den Atomic Bomb Dome. Diese Ruine wurde seit des Atombombenabwurfs am 6. August 1945 um 8:15 Uhr nicht restauriert, sondern als mahnendes Beispiel für kommende Generationen in seinem damaligen Zustand erhalten. Wir wissen nicht genau warum, aber bereits dort, keine 200 Meter vom Hypocenter (Detonationsort der A-Bombe in 600 Meter Höhe) entfernt, kamen uns bereits die ersten Tränen in den Augen – unterbewusst schienen wir also schon zu realisieren, wo wir uns eigentlich gerade befinden…

Wenige Meter weiter fanden wir ein erstes Denkmal – das „Memorial Tower to the Mobilized Students“. Dieses soll an all die Schüler und Studenten ab 12 Jahren gedenken, die während des Zweiten Weltkriegs und der Atombombenkatastrophe ihr gesamtes Leben aufgaben um ihren Land zu dienen. ritti musste hier weinen; ich konnte es gerade noch so zurückhalten…

Die nächste Station war das „A-Bomb Victim Memorial“ – an der Bronzestatue waren mehrere bunte Origami zu sehen – die Bedeutung dazu erkläre ich ein wenig später…

… denn zunächst mussten wir etwas essen gehen, da wir mittlerweile größeren Hunger hatten. Da ritti noch nie in einem KFC gewesen ist, haben wir uns entschlossen, dort essen zu gehen. Die Bedienung war äußerst freundlich und half uns, das passende Menü zusammenzustellen und so konnte ritti auch mal im Genuss von KFC Hühnchen kommen :) Es war jedenfalls lecker!

Wieder draußen fing es nun leider an zu regnen, aber irgendwie passte es auch zu unserer aktuellen Gefühlslage. Irgendwie waren wir seit unserer Ankunft stets traurig. Besser sollte es jedenfalls nicht werden, denn auf der Suche nach dem großen Museum fanden wir zuvor ein Andenken, welches einem Mädchen namens Sadako Sasaki gewidmet war, welche im Alter von 2 Jahren aufgrund der radioaktiven Strahlung der A-Bombe erkrankt und 10 Jahre später im Alter von 12 Jahren an Leukämie gestorben ist. Während ihrer Krankheit hat sie versucht, 1000 Kraniche (Origami) zu falten, was hier ein Symbol des Lebens bedeutet, um allen Betroffenen des Unglücks zu helfen. Nach ihrem Ableben haben ihre Mitschüler einen Aufruf gestartet, ihr ein Denkmal zu widmen, welches ebenfalls stellvertretend für alle aufgrund der A-Bombe gestorbenen Kinder stehen soll. Einfach nur eine traurige Geschichte…

Danach gingen wir zur „Hiroshima National Peace Memorial Hall for the Atomic Bomb Victims“. Diese hat auf der Oberfläche eine Uhr, welche auf 8:15 zeigt – dem Zeitpunkt, wo die Atombombe ausgelöst worden ist.

Im Inneren des Denkmals fand man auf einem Rundweg mehrere Erklärungen zu den Umständen des Einschlags. Demnach detonierte die Bombe in 600 Meter Höhe und zerstörte in einem Radius von 2 km alles, was sich dort befand. Die Nachwirkungen der Bombe sind noch verheerender: die Pilzwolke ging später als „Schwarzer Regen“ bezeichnet runter und kontaminierte selbst Gebiete außerhalb des Wirkungsgebiets erheblich. Die Strahlung, die noch lange Zeit nach dem Abwurf der A-Bombe, nachwirkte, sorgte für Missbildungen und schwere Krankheiten, die teilweise bis heute noch nachhallen.

Im Zentrum der Halle fand man ein Panorama, welches Hiroshima aus dem Sichtpunkt des Krankenhauses in 200 Meter Entfernung vom Hypocenter zeigt.

Auffallend: das Torii (Tor) in der Nähe hatte der Druckwelle und der Hitze standgehalten; der dahinter gelegene Tempel nicht.

Als letztes Ziel für heute stand nun das Museum auf unserer Liste. Dieses war einfach nicht zu übersehen und hatte vor dem Haupteingang ein Friedensdenkmal mit Erklärungen in den wichtigsten Sprachen der Welt verzeichnet, unter anderem auch in Deutsch.

Danach betraten wir das Museum – Eintrittspreis: 50 Yen! (weniger als 35 Eurocent).

Auf der Tour wurden unter anderem Überreste ausgestellt, darunter überwiegend Kleidung und Besitztümer von den Opfern. Ebenfalls wurden (ungefährliche) Überreste von Dachpfannen bereitgestellt, die durch die enorme Hitze von teilweise 4000 Grad Celsius regelrecht geschmolzen wurden. In einer Miniaturansicht wurde das betroffene Gebiet veranschaulicht.

Diese Mauer ist aufgrund der starken Erschütterungen wie ein Berg nach oben aufgebrochen…

Besonders traurig: dieses Dreirad. Ein Junge namens Shinichi Tetsutani, knapp 4 Jahre alt, wurde an jenem Tag in ca 1500 Meter Entfernung auf seinem Dreirad lebensgefährlich verbrannt. Er überlebte zunächst, verstarb aber schon in der darauffolgenden Nacht. Sein Vater wollte ihn nicht alleine in ein Grab legen, so begrub er ihn zusammen mit dem Dreirad nahe des Hauses. 40 Jahre später grub er seinen Sohn aus und übertrug ihn in ein Familiengrab. Das Dreirad grub er ebenfalls aus und spendete es dem Museum…

Am Ende der Tour konnte man sich in einem Tagebuch verewigen, und zwar in seiner Muttersprache. Dem kam ich nach uns so hinterließ ich meine eigenen Eindrücke…

Danach waren wir auch schon am Ausgang – eine Infotafel bedankte sich für den Besuch und entschuldigte sich für die Bauarbeiten in einigen Hallen, da das Museum bis 2018 umgebaut wird.

Wieder draußen war es schon wieder am regnen, aber wie gesagt; das Wetter passte einfach zur Stimmung. Nachdem der Regen ein wenig nachgelassen hat, liefen wir zur nahe gelegenen Straßenbahnstation und warteten auf unseren Anschluss zur Hiroshima Station. Wenige Minuten später kam sie dann auch und wir fuhren zurück. Damit hieß es dann Abschied von Hiroshima zu nehmen – jedoch werden wir den erlebten Tag noch lange in Erinnerung behalten…

19:03 Uhr kam unser Shinkansen zurück nach Osaka. 1:40 Stunden später, gegen 20:45 Uhr, kamen wir dann auch an. Wir gingen neben der Bahnstation noch ein wenig Ikayaki essen (Oktopus in Teigmantel mit Ei und Beilage) und dann erstmal nach Hause, da mir während des Tages in Hiroshima beide Schuhsohlen gerissen sind und beide meiner Füße durchgehend durchnässt waren… Nach einer wärmenden Dusche gingen wir nochmal schnell in einen Konbini, um uns noch mit Wasser und Snacks einzudecken, damit wir morgen für die Reise nach Tokyo und unserem allerletzten Urlaubsziel, einem Ryokan (klassisches, japanisches Hotel) genug Proviant haben werden. Erneut reisen wir mit einem Shinkasen; diesmal jedoch 340 km und knapp 3 Stunden. Wir werden uns dann morgen von dort aus melden!

In diesem Sinne also nochmal zum letzten Mal schöne Grüße aus der Kansai-Hochburg Osaka,

 

Oyasuminasai~

Damien

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